Cyber-Bedrohungen5 Min. LesezeitVeröffentlicht: 1. Januar 2026| Aktualisiert: 9. Februar 2026

Häufige Online-Betrügereien: Fallen Sie nicht darauf herein

Von Herzensbrechern bis zum nigerianischen Prinzen. Wir entlarven die gängigsten Online-Betrugsmaschen und wie Sie sich schützen.

Häufige Online-Betrügereien: Fallen Sie nicht darauf herein

Die Anatomie des Betrugs: So schützen Sie Ihr Geld

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, aber es ist das profitabelste Jagdrevier für Kriminelle. Moderne Betrüger sind keine einsamen Hacker in Kapuzenpullis. Es sind organisierte Callcenter und psychologisch geschulte Banden, die jeden Tag Millionen erbeuten.

Die gute Nachricht: Betrug folgt immer denselben Drehbüchern. Wer das Skript kennt, fällt nicht darauf herein. Wir decken die häufigsten Maschen auf, die aktuell in Deutschland, Österreich und der Schweiz grassieren.

Die Psychologie dahinter: Warum wir darauf hereinfallen

Betrüger hacken meistens nicht Ihren Computer – sie hacken Ihren Kopf. Sie nutzen drei Urinstinkte:

  1. Angst: "Ihr Konto wird gesperrt!" oder "Ihr Enkel hatte einen Unfall!" (Das logische Denken setzt aus).
  2. Gier: "Garantierte 10% Rendite pro Woche!" (Der Wunsch nach schnellem Reichtum blendet Skepsis aus).
  3. Hilfsbereitschaft: "Ich habe mein Handy verloren, kannst du mir helfen?" (Wir wollen soziale Bindungen nicht gefährden).

1. Der "Enkeltrick 2.0" (WhatsApp-Betrug)

Dies ist aktuell die erfolgreichste Masche im deutschsprachigen Raum.

  • Das Szenario: Sie erhalten eine WhatsApp von einer unbekannten Nummer: "Hallo Mama/Papa, mein Handy ist kaputt/ins Wasser gefallen. Das ist meine neue Nummer. Kannst du die alte löschen?"
  • Der Haken: Nach kurzem Smalltalk kommt die Notlage. Wegen des neuen Handys funktioniert das Online-Banking noch nicht, aber eine dringende Überweisung muss heute rausgehen.
  • Die Abwehr:
    • Antworten Sie nicht.
    • Rufen Sie Ihr Kind/Enkel unter der alten, eingespeicherten Nummer an.
    • Fragen Sie den Absender nach etwas, das nur der echte Verwandte wissen kann ("Wie heißt der Hamster von Tante Erna?").

2. Fakeshops: Wenn das Schnäppchen zur Falle wird

Ein Online-Shop bietet die nagelneue Playstation oder Marken-Sneaker 30% günstiger an als Amazon. Die Seite sieht professionell aus, hat Bewertungen und ein Impressum.

  • Das böse Erwachen: Sie überweisen per Vorkasse. Die Ware kommt nie. Oder es kommt eine billige Fälschung.
  • Fakeshop-Detektor:
    • Preis: Ist er unrealistisch niedrig? Alarmglocken!
    • Zahlung: Bietet der Shop am Ende nur Vorkasse (Überweisung) an, obwohl Logos von Paypal oder Kreditkarte angezeigt wurden?
    • Impressum: Googeln Sie die Adresse. Oft ist es eine Tankstelle oder ein Acker. Prüfen Sie die Handelsregister-Nummer.
    • Gütesiegel: Klicken Sie auf das "Trusted Shops" Siegel. Wenn es nur ein Bild ist und nicht zum Zertifikat verlinkt: Betrug.

3. Der Kleinanzeigen-Dreiecksbetrug

Eine raffinierte Masche auf Plattformen wie eBay Kleinanzeigen oder Vinted.

  • Die Rolle: Sie verkaufen ein iPhone für 500€.
  • Der Trick: Ein Käufer meldet sich, will es haben. Gleichzeitig erstellt der Betrüger eine eigene Verkaufsanzeige für ein iPhone (500€). Ein Dritter (Opfer 2) meldet sich beim Betrüger.
  • Der Betrug: Der Betrüger gibt Opfer 2 Ihre Bankdaten. Opfer 2 überweist Ihnen 500€. Sie sehen das Geld, denken alles ist okay, und schicken das iPhone an den Betrüger.
  • Das Ende: Opfer 2 zeigt Sie an, weil er keine Ware bekommen hat. Sie müssen das Geld zurückzahlen und sind Ihr iPhone los.
  • Die Abwehr: Versenden Sie nur an die Adresse, die genau zum Namen des Kontoinhabers passt. Nutzen Sie den Käuferschutz der Plattformen.

4. "Pig Butchering" (Krypto-Romance-Scam)

Der Begriff kommt vom Mästen eines Schweins vor der Schlachtung.

  • Der Start: Eine "zufällige" falsche SMS ("Hey Anna, gehen wir heute Tennis spielen?") oder ein Match auf Tinder. Ein attraktives Gegenüber verwickelt Sie in ein Gespräch.
  • Die Mast: Über Wochen baut man eine emotionale Beziehung auf. Dann erwähnt der Kontakt beiläufig, wie reich er durch Krypto-Trading geworden ist. Er bietet an, es Ihnen beizubringen.
  • Die Schlachtung: Sie investieren auf einer (gefälschten) Plattform. Die Kurse steigen. Sie investieren mehr. Wenn Sie auszahlen wollen, fordert die Plattform "Steuern" oder "Gebühren". Ihr Geld ist längst weg.

5. Phishing: Die Bank ruft (nicht) an

Perfekt gefälschte E-Mails von PayPal, DHL, Amazon oder der Sparkasse.

  • Der Druck: "Wir müssen Ihre Identität bestätigen" oder "Paket konnte nicht zugestellt werden".
  • Die Falle: Der Link führt auf eine exakte Kopie der Bank-Webseite. Geben Sie dort Ihre Daten ein, räumen die Täter das Konto leer.
  • Goldene Regel: Banken versenden niemals Links zum Login per E-Mail oder SMS. Melden Sie sich immer manuell im Browser an, niemals über Klicks in Nachrichten.

Erste Hilfe: Ich wurde betrogen! Was jetzt?

Schämen Sie sich nicht. Es passiert den Besten. Handeln Sie sofort:

  1. Zahlung stoppen: Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank. Bei Lastschriften und Kreditkarten kann man das Geld oft zurückholen. Bei Überweisungen zählt jede Minute.
  2. Beweise sichern: Machen Sie Screenshots von Chats, Profilen, Webseiten und Überweisungen.
  3. Anzeige erstatten: Gehen Sie zur Polizei. Auch wenn die Täter im Ausland sitzen – die Anzeige ist wichtig für die Versicherung und die Bank.
  4. Passwörter ändern: Wenn Sie Zugangsdaten preisgegeben haben, ändern Sie diese überall.

Bleiben Sie misstrauisch. Im Internet ist ein gesundes Maß an Paranoia Ihr bester Freund.