Schutz-Anleitungen5 Min. LesezeitVeröffentlicht: 1. Januar 2026| Aktualisiert: 9. Februar 2026

Gefälschte Websites erkennen: Der Profi-Blick

Ein grünes Schloss bedeutet nicht Sicherheit. Lernen Sie, URLs wie ein Experte zu lesen und Phishing in Sekunden zu entlarven.

Gefälschte Websites erkennen: Der Profi-Blick

Der Mythos vom grünen Schloss

Früher hieß es: "Achten Sie auf das Schloss-Symbol im Browser." Das ist gefährlicher Unsinn. Heute nutzen 80% aller Phishing-Seiten HTTPS. Betrüger können sich kostenlose SSL-Zertifikate (z.B. von Let's Encrypt) genauso einfach holen wie seriöse Banken. Verschlüsselung bedeutet nur, dass niemand das Gespräch abhört. Es bedeutet nicht, dass Sie mit dem Richtigen sprechen.

Lektion 1: URL-Anatomie (Domains lesen)

Der wichtigste Skill im Internet ist das Lesen von Domains. Die Regel lautet: Lesen Sie von rechts nach links. Der letzte Teil vor der Endung (.com, .de) ist der wahre Boss.

Beispiel: Sie wollen zu PayPal.

  • paypal.com -> Echt. (Boss ist "paypal").
  • sicher-login-paypal.com -> Echt. (Boss ist "paypal").
  • paypal-bestaetigung.com -> FAKE. (Boss ist "paypal-bestaetigung" – jeder kann diese Domain kaufen).
  • paypal.com.sicherheit-check.de -> FAKE. (Boss ist "sicherheit-check" – PayPal ist hier nur eine Unterseite).
  • paypaI.com -> FAKE. (Das ist ein großes i, kein kleines L). Das nennt man "Typosquatting".

Lektion 2: Der "Urgency"-Trick (Druck erzeugen)

Betrüger wollen, dass Ihr Gehirn aussetzt. Das schaffen sie mit Angst oder Gier.

  • Die Angst: "Ihr Konto wird in 60 Minuten gesperrt!"
  • Die Gier: "iPhone 16 für 5€ – Nur noch 3 Stück verfügbar!"
  • Der Countdown: Ein Timer, der rückwärts läuft.

Wenn Sie Druck spüren: Stopp. Keine Bank der Welt droht Ihnen per E-Mail mit sofortiger Sperrung. Kein Shop verkauft iPhones für 5€.

Lektion 3: Fake Shops erkennen

Sie haben einen Shop gefunden, der das ausverkaufte Produkt noch hat – und auch noch billiger?

  1. Impressum prüfen: Gibt es eine Adresse? Google Maps hilft. Ist dort ein Büro oder ein Acker?
  2. Zahlungsarten: Werden unten Logos von Visa, Mastercard und PayPal angezeigt? Legen Sie etwas in den Warenkorb und gehen Sie zur Kasse. Wenn plötzlich nur noch Überweisung (Vorkasse) möglich ist -> 100% Betrug.
  3. Fakeshop-Finder: Nutzen Sie das Tool der Verbraucherzentrale, um die URL zu prüfen.

Lektion 4: Das "Enkeltrick"-Design

Oft sehen Fake-Seiten besser aus als die Originale. Betrüger kopieren einfach den Quellcode der echten Seite. Verlassen Sie sich nie auf das Design ("Das sieht so professionell aus!"). Verlassen Sie sich nur auf die URL.

Fazit: Misstrauen ist gesund

Lernen Sie, URLs zu lesen. Klicken Sie nie auf Links in "dringenden" E-Mails, sondern tippen Sie die Adresse der Bank manuell ein. Im Zweifel: Lieber einmal zu viel gezögert als einmal zu viel geklickt.