
VPN oder Proxy? Der ultimative Vergleich
Es ist die häufigste Frage von Einsteigern: "Warum soll ich für ein VPN bezahlen, wenn es kostenlose Proxys gibt?" Die Antwort liegt in der Technik. Beide Tools ändern Ihre IP-Adresse, aber das ist auch schon die einzige Gemeinsamkeit.
Stellen Sie sich vor, Sie wollen ein Paket versenden, ohne dass der Empfänger Ihre Adresse kennt.
- Der Proxy ist wie ein Kurier, der das Paket für Sie abgibt. Der Empfänger sieht den Kurier, nicht Sie. Aber: Der Kurier kann ins Paket schauen, und jeder auf der Straße sieht, was der Kurier trägt.
- Das VPN ist ein gepanzerter Geldtransporter. Er fährt direkt aus Ihrer Garage. Niemand sieht, wer fährt, niemand sieht, was drin ist, und selbst wenn man den Transporter stoppt, kommt man nicht an den Inhalt.
Was ist ein Proxy? (Der Mittelsmann)
Ein Proxy-Server fungiert als simpler Vermittler. Sie sagen ihm: "Hol mir bitte Seite X", und er tut es. Es gibt zwei Hauptarten:
1. HTTP-Proxys (Web-only)
Diese verstehen nur Webseiten (http:// und https://). Sie sind oft als Browser-Plugins verfügbar.
- Vorteil: Schnell und oft kostenlos. Gut, um eine einfache Ländersperre bei YouTube zu umgehen.
- Nachteil: Sie schützen nur den Browser. Ihr E-Mail-Programm, Spotify oder Windows-Updates laufen weiterhin über Ihre echte IP. Und: Keine Verschlüsselung. Ihr Internetanbieter sieht alles.
2. SOCKS5-Proxys (Der Allrounder)
Diese sind flexibler und können auch E-Mails oder Torrents weiterleiten.
- Einsatzgebiet: Beliebt bei Filesharern, weil sie schneller sind als VPNs (da keine Rechenleistung für Verschlüsselung nötig ist).
- Risiko: Auch hier fließen die Daten im Klartext. Sie maskieren die Identität, schützen aber nicht vor Spionage.
Was ist ein VPN? (Der Tunnel)
Ein Virtual Private Network arbeitet nicht auf der Ebene einzelner Programme, sondern gräbt sich tief ins Betriebssystem ein. Es erstellt einen virtuellen Netzwerkadapter. Jedes einzelne Byte, das Ihren Computer verlässt – egal ob vom Browser, einem Spiel oder einem Hintergrunddienst – wird zwangsweise durch einen verschlüsselten Tunnel geschickt.
Die drei großen Vorteile:
- Systemweiter Schutz: Sie müssen nichts konfigurieren. Sobald das VPN an ist, ist alles sicher.
- Militärische Verschlüsselung: Dank AES-256 beißen sich Hacker und Geheimdienste die Zähne aus.
- Schutz vor dem Anbieter: Ein seriöses VPN hat eine strikte No-Logs-Richtlinie. Ein kostenloser Proxy-Betreiber hingegen finanziert sich oft genau durch den Verkauf Ihrer Daten.
Der direkte Vergleich (Tabelle)
| Feature | Proxy | VPN | | :--- | :--- | :--- | | Verschlüsselung | Nein (Daten sind lesbar) | Ja (AES-256) | | Reichweite | Nur eine App (z.B. Browser) | Systemweit (Alle Apps) | | Tempo | Hoch (keine Rechenlast) | Mittel bis Hoch (abhängig vom Protokoll) | | Sicherheit | Gering (Ihre Daten sind Ware) | Sehr hoch (No-Logs) | | Kosten | Oft kostenlos | Meist kostenpflichtig (~3-10€/Monat) |
Wann nutze ich was?
- Nehmen Sie einen Proxy, wenn Sie für eine einmalige Recherche schnell so tun müssen, als wären Sie in Frankreich, und dabei keine Passwörter übertragen.
- Nehmen Sie ein VPN, für alles andere. Online-Banking, Torrenting, öffentliches WLAN oder den täglichen Schutz Ihrer Privatsphäre.
Vorsicht vor "Kostenlosen" Proxys
Das Internet ist voll von Listen mit "Free Proxy Servern". Seien Sie gewarnt: Viele dieser Server werden von Kriminellen betrieben, nur um Daten abzufischen. Andere injizieren Werbung oder Malware in die Webseiten, die Sie aufrufen. Wenn es um Ihre Daten geht, ist "kostenlos" oft die teuerste Variante. Ein geprüftes VPN ist die einzige Barriere zwischen Ihnen und einem immer neugierigeren Internet.