
Was ist Malware? (Es ist nicht immer ein Virus)
Wenn der Computer langsam wird oder Dateien verschwinden, sagen die meisten: "Ich habe einen Virus." Technisch gesehen ist das oft falsch. Ein klassischer Computervirus ist heute selten. Was wir heute sehen, sind hochspezialisierte Cyber-Waffen. Der korrekte Überbegriff ist Malware (Malicious Software).
Hier ist der Führer durch den digitalen Zoo der Schadsoftware.
Die Arten von Malware: Kennen Sie Ihren Feind
1. Der Virus (Der Oldtimer)
Wie ein biologischer Virus braucht er einen Wirt. Er klebt an einer Datei (z. B. urlaubsfoto.exe oder einem Word-Dokument). Er wird erst aktiv, wenn Sie die Datei öffnen.
- Ziel: Verbreitung und Chaos.
2. Der Wurm (Der Selbstläufer)
Die gefährlichere Evolution des Virus. Ein Wurm braucht keinen Wirt und keine menschliche Hilfe. Er nutzt Sicherheitslücken im Netzwerk, um von Computer zu Computer zu springen.
- Beispiel: "WannaCry" infizierte 2017 innerhalb von Stunden Hunderttausende PCs weltweit.
3. Der Trojaner (Die Mogelpackung)
Benannt nach dem Trojanischen Pferd. Er tarnt sich als nützliche Software: Ein gratis Spiel, ein PDF-Converter oder ein "Crack" für teure Software.
- Funktion: Sobald installiert, öffnet er im Hintergrund eine Hintertür (Backdoor). Hacker können Ihren PC nun fernsteuern.
4. Ransomware (Der Erpresser)
Die aktuell größte Bedrohung für Firmen und Privatleute. Diese Malware verschlüsselt alle Ihre Fotos, Dokumente und Videos.
- Die Forderung: "Zahlen Sie 500€ in Bitcoin, oder Ihre Daten sind für immer weg."
5. Spyware & Keylogger (Die Spione)
Sie verstecken sich tief im System und protokollieren alles: Jeden Tastendruck (Passwörter!), jeden Webseitenbesch, manchmal sogar Webcam-Bilder.
- Ziel: Identitätsdiebstahl und Erpressung.
Wie infiziert man sich? (Die Einfallstore)
Hacker brechen selten mit Gewalt ein. Sie lassen sich einladen.
- E-Mail-Anhänge: Die Rechnung als
.zipDatei oder das Office-Dokument, das "Makros aktivieren" will. - Drive-by-Downloads: Sie besuchen eine infizierte Webseite (oft Streaming- oder Erotikseiten), und die Malware lädt sich im Hintergrund herunter.
- Gecrackte Software: Wer Photoshop illegal herunterlädt, bekommt die Malware gratis dazu. Nichts im Internet ist umsonst.
- Veraltete Software: Ein ungepatchter Browser oder Adobe Reader ist wie ein offenes Fenster im Erdgeschoss.
Symptome: Ist mein PC krank?
- Der Lüfter dreht durch: Der PC arbeitet auf Hochtouren, obwohl Sie nichts machen (Hinweis auf Krypto-Miner).
- Webcam-Licht: Die LED an der Kamera leuchtet kurz auf.
- Startseite verändert: Plötzlich ist "Ask.com" Ihre Suchmaschine.
- Antivirus deaktiviert: Malware schaltet oft zuerst den Verteidiger aus.
Notfallplan: Die Entseuchung
- Vom Netz trennen: Ziehen Sie sofort das LAN-Kabel oder schalten Sie das WLAN aus. Das verhindert, dass die Malware Daten sendet.
- Abgesicherter Modus: Starten Sie Windows im abgesicherten Modus. Hier wird nur das Nötigste geladen – oft hindert das die Malware am Start.
- Scannen: Nutzen Sie einen zweiten Scanner (z. B. Malwarebytes), nicht nur Ihren installierten Antivirus (der hat ja schon versagt).
- Die nukleare Option: Wenn Sie nicht sicher sind, ob alles weg ist: Setzen Sie den PC neu auf. Formatieren Sie die Festplatte und installieren Sie Windows frisch. Das ist der einzige Weg, um 100% sicher zu sein.
Malware ist ein Geschäft. Machen Sie es den Kriminellen nicht zu einfach: Halten Sie Ihr System aktuell und klicken Sie erst, nachdem Sie gedacht haben.