Cyber-Bedrohungen5 Min. LesezeitVeröffentlicht: 1. Januar 2026| Aktualisiert: 9. Februar 2026

Was ist Ransomware? Die digitale Geiselnahme

Wie Hacker Ihre Daten als Geiseln nehmen und warum Sie niemals das Lösegeld zahlen sollten.

Was ist Ransomware? Die digitale Geiselnahme

Ransomware: Erpressung im digitalen Zeitalter

Sie schalten Ihren Computer ein und sehen statt Ihres Hintergrundbildes nur eine rote Uhr, die rückwärts zählt, und eine Nachricht: "Ihre Dateien wurden verschlüsselt. Senden Sie 1 Bitcoin, oder alles wird gelöscht." Willkommen in der Welt der Ransomware.

Von kleinen Arztpraxen bis zu Großkonzernen: Niemand ist sicher. Und die Taktiken der Erpresser werden immer brutaler.

Wie die Falle zuschnappt (Der Angriff)

Ransomware ist keine zufällige Infektion. Es ist ein digitaler Raubüberfall.

  1. Der Einbruch: Hacker kommen über eine Phishing-Mail oder einen ungeschützten Wartungszugang (RDP) ins Netzwerk.
  2. Die Erkundung: Die Malware liegt oft Wochen still. Sie sucht nach Backups (um diese zu löschen) und sensiblen Daten.
  3. Der Schlag: Auf Knopfdruck werden alle Daten mit militärischer Verschlüsselung (AES-256) unlesbar gemacht.
  4. Die Erpressung: Der Sperrbildschirm erscheint mit der Lösegeldforderung.

Die Evolution: Von "Sperren" zu "Doppelter Erpressung"

Früher reichte ein gutes Backup, um Ransomware zu besiegen. Man formatierte den PC und spielte die Daten zurück. Heute nutzen Kriminelle die "Double Extortion" (Doppelte Erpressung):

  • Schritt 1: Sie kopieren Ihre sensiblen Daten (Kundenlisten, Finanzdaten) auf ihre eigenen Server.
  • Schritt 2: Erst dann verschlüsseln sie Ihre Systeme.
  • Die Drohung: "Wenn Sie nicht zahlen, stellen wir Ihre Daten nicht nur nicht wieder her – wir veröffentlichen sie auch im Darknet." (Ein Datenschutz-Albtraum).

Ransomware-as-a-Service (RaaS): Das Franchise-Modell

Hacker müssen heute nicht einmal mehr programmieren können. Im Darknet mieten sie Ransomware von Entwicklern.

  • Die Entwickler stellen die Software und den Zahlungs-Server.
  • Die "Affiliates" (Angreifer) führen den Einbruch durch.
  • Die Beute wird 70/30 geteilt. Das macht Ransomware so massenhaft verfügbar.

Sollten Sie zahlen?

Sicherheitsbehörden (FBI, BSI) sagen klar: Nein.

  1. Keine Garantie: Sie haben es mit Kriminellen zu tun. Oft bekommen Sie trotz Zahlung keinen Schlüssel.
  2. Sie werden markiert: Wer einmal zahlt, landet auf der "Liste der guten Kunden" und wird wieder angegriffen.
  3. Sie finanzieren Verbrechen: Ihr Geld fließt in die Entwicklung noch gefährlicherer Waffen.

Die 3-2-1-Regel: Ihr einziger wirklicher Schutz

Kein Antivirus ist perfekt. Ihre Lebensversicherung ist das Backup. Aber nicht irgendeines. Befolgen Sie die 3-2-1-Regel:

  • 3 Kopien Ihrer Daten (1x Original + 2x Backup).
  • 2 verschiedene Medien (z. B. Festplatte + Cloud).
  • 1 Kopie OFFLINE (an einem anderen Ort oder ausgestöpselt).

Warum offline? Moderne Ransomware sucht aktiv nach angeschlossenen USB-Festplatten und Netzwerkspeichern (NAS) und verschlüsselt diese mit. Nur ein Backup, das nicht am Strom hängt, ist sicher.

Hilfe, ich bin infiziert!

Bevor Sie verzweifeln:

  1. Trennen: Sofort Internet und Netzwerk kappen.
  2. Nicht neu starten: Das könnte die Verschlüsselung verschlimmern.
  3. "No More Ransom" prüfen: Besuchen Sie die Webseite No More Ransom. Das ist eine Initiative von Europol und Sicherheitsfirmen. Laden Sie eine verschlüsselte Datei hoch. Für viele ältere Ransomware-Typen gibt es dort kostenlose Entschlüsselungstools.

Hoffen Sie das Beste, aber bereiten Sie sich auf das Schlimmste vor. Sichern Sie Ihre Daten heute.

Verwandte Themen